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Kategorie: TuSpo

Gornergrat Zermatt Marathon am 2. Juli 2022


Bergmarathon mit über 1.800 Höhenmetern als 1. Königsdistanz für Louis Bördner vom TuSpo Holzhausen.


Gornergrat Zermatt Marathon am 2. Juli 2022

Gornergrat Zermatt Marathon am 2. Juli 2022

Gornergrat Zermatt Marathon am 2. Juli 2022

Gornergrat Zermatt Marathon am 2. Juli 2022

Gornergrat Zermatt Marathon am 2. Juli 2022

Gornergrat Zermatt Marathon am 2. Juli 2022

Gornergrat Zermatt Marathon am 2. Juli 2022

Gornergrat Zermatt Marathon am 2. Juli 2022

Am 2. Juli 2022 war es für Louis Bördner mit soweit: nach 12 langen Vorbereitungswochen startete der 29jährige beim Gornergrat Zermatt Marathon, einem Bergmarathon mit über 1.800 Höhenmetern auf der Marathondistanz von 42,195 KM.

In der Vorbereitung absolvierte Louis in 56 verschiedenen Trainingseinheiten insgesamt 793,15km, erklamm 16495 Höhenmeter und war 81 Stunden und zwei Minuten laufend unterwegs. Die meisten Höhenmeter in einem Lauf waren 1.123 auf 36,83 km in 4:00 Stunden, der längste Lauf der Vorbereitung dauerte 4:30h und war 39,32km lang.

Länger dauerte es nur, das Interview mit ihm in Textform zu bringen. Ich interviewte für den TuSpo Holzhausen den glücklichen Marathoni, möchte mich jedoch dafür entschuldigen, dann ein halbes Jahr gebraucht zu haben, es ins Reine zu schreiben.

Aber das Interview ist sicher auch als ein Rückblick auf dieses sportliche Highlight in 2022 schön.


A: Louis, dein erster Marathon, herzlichen Glückwunsch im Namen des TuSpo 1920 e.V. Holzhausen, für den du gestartet bist. 5:25:03 Stunden, 36. deiner Altersklasse, das ist ein bemerkenswertes Ergebnis für den ersten Marathon; 153. des Gesamtklassements - bei 800 Startern auf der Marathonstrecke. Welche Erinnerungen hast du heute, über 3 Wochen nach dem Zieleinlauf, was ist noch in deinem Kopf?

L: Viele schöne, ausschließlich positive Erinnerungen. Ich erinnere mich natürlich an die Abschnitte, die anstrengend waren. Es gab zwei/drei Abschnitte, die wirklich an die Substanz gingen, aber im Großen und Ganzen denke ich gerne daran zurück, weil es ein super Erlebnis war; weil an dem Tag alles zusammenkam, was an positiven Sachen hätte zusammen kommen können. Das Wetter hat gepasst, es war keine Wolke am Himmel, der Lauf selbst lief einwandfrei, ich hatte hinten raus ausreichend Reserven, es hat wirklich Spaß gemacht, zu laufen. Ich habe das die meiste Zeit einfach genießen können.

A: Wieso wählt man für den ersten Marathon eine Streckenführung mit über 1.800 Höhenmetern? Wie kam es bei deiner Wahl dazu und wann hast du Dich endgültig angemeldet?

L: Also zugegebenermaßen hatte ich das schon länger im Hinterkopf. Die Anmeldung habe ich im Oktober 2021 ausgefüllt, mit Respekt vor den Höhenmetern, aber unerschrocken - weil ich auf jeden Fall einen Bergmarathon laufen wollte, und dann musste ich auch die Höhenmeter akzeptieren und mich heranwagen.
Ich habe mich nicht daran orientiert, wie viele Höhenmeter der jetzt hat, sondern ich wusste, ich will in Zermatt laufen, weil ich dort schon mal im Urlaub war und es mir dort gefällt.

A:Was hat deine Freundin zu der Entscheidung gesagt oder hat sie dich hierzu auch irgendwie beeinflusst?

L: Das hat sich ehrlich gesagt über die Zeit etwas geändert. Zu Beginn war sie etwas besorgt und auch skeptisch, wie es mir nach dem Marathon und am Tag danach gehen würde, und wie viel wir überhaupt dann noch machen könnten.
Aber im Laufe der Vorbereitung haben sich Sorgen und Skepsis nach und nach gelegt, sodass sie dann darauf vertraute, dass ich das schaffe und es auch nicht übertreibe, indem ich womöglich über meine Grenzen gehe.
Hier ist es mir aber auch die Erwähnung wert, dass ich mich in Sachen Ernährung und in sportwissenschaftlichen Angelegenheiten an sie wenden und auf Ihre Hilfe vertrauen kann.

A: Wenn du Ernährung ansprichst: hast du denn im Vorfeld auch etwas geändert bzw. umgestellt oder dafür getan?

L: Natürlich habe ich zum Ende der Vorbereitung hin dann tatsächlich mehr Kohlenhydrate zu mir genommen und vor allem Junk-Food weggelassen - was dann positive Auswirkungen hatte. Außerdem habe ich sonntags vor den langen Läufen darauf geachtet, besser zu frühstücken. Ich bin kein großer Frühstücker, aber da habe ich darauf geachtet, dass ich Vollkornbrot oder ein ordentliches Müsli esse. Und Alkohol habe ich in der Zeit komplett weggelassen.

A:Um zunächst aber noch einmal ein paar Schritte zurückzugehen: wann hast du das Laufen für dich entdeckt und wie hat sich das entwickelt; hattest du markante Punkte, die du für dich festgestellt hast?

L: Also bewusst habe ich erst 2018 mit dem Laufen angefangen, habe ja vorher auch Fußball gespielt und bin auch durch meinen Vater öfter Fahrrad gefahren. Aber ich habe aufgrund meiner Verletzungen vom Fußball (Kreuzbandrisse links und rechts, Syndesmosebandriss), dann die Reißleine gezogen und im Laufen den besten Ersatz gefunden. Ohne zu Beginn ambitioniert oder informiert zu sein, bin ich mehr oder weniger einfach drauf los gelaufen, um zu sehen, ob's Spaß macht.
Als ersten kleinen Knackpunkt hinsichtlich Motivation und Kennenlernen des Laufsports müsste ich wohl die Laufveranstaltungen Kaps-Lauf und vor allem den ersten Halbmarathon beim Nachtlauf 2018 in Marburg nennen (Anm. d. R.: Stunden, 76. von 1167 Teilnehmern). Der hat mich zu dem Zeitpunkt doch ziemlich an meine Grenzen gebracht; ich habe da hin und wieder noch Fußball gespielt, war vorher noch nie einen Halbmarathon gelaufen, habe keine Läufe aufgezeichnet und bin da ziemlich naiv drangegangen.
Ich bin da zusammen mit Andi Rumpf losgelaufen und bin mit meinem Tempo vor ihm weggelaufen, dann aber so bei KM15-17 zusammengefallen und von ihm wieder kassiert worden.
Beim Apfellauf Laubus-Eschbach bin ich dann mit Ehrgeiz und Ambition mal mehr auf Tempo gegangen; wir sind bei der Winterlaufserie in Pohlheim gestartet; die Veranstaltungen haben immer Spaß gemacht.

Den nächsten Kick hat dann die Technik und Ausrüstung ausgemacht: die Laufuhren von Garmin und Polar, die App Strava und damit die Einheiten auswerten zu können und sich mehr damit auseinanderzusetzen als nur die Laufschuhe zu schnüren und loszulaufen.

A: Du warst zuletzt allgemein sehr schnell unterwegs. Die Vorbereitung für den Marathon mit diesen vielen Höhenmetern hielt ein komplett anderes Programm für dich parat. Woher hattest du deinen Trainingsplan und wie schwer fiel dir die Umstellung, auf langsameres Tempo für die Ausdauer und die langen andauernden Steigungen zu trainieren?

L: Den Trainingsplan habe ich mir über die "Runner's World" online zugelegt. Die Umstellung wirkte sich unterschiedlich aus. Gerade die Einheiten, die ich wirklich so viel langsamer laufen sollte, bin ich einerseits auch so langsam gelaufen und konnte die andererseits dadurch auch genießen, weil ich gemerkt habe, dass ich tatsächlich entspannter durch die Einheit komme - da ich in der Tat teilweise vorher oft am Limit gelaufen bin und versucht habe, das Maximum herauszuholen. Was mich öfter geerdet hat, waren die Bergsprints, wo die Anforderung ist, das Tempo eben auch am Berg hoch zu halten. Da bin ich durchaus auch wieder an meine Grenzen geraten.

A: Dein Training war nicht nur im Ulmtal, aber was konntest du in der Vorbereitung hier trainieren?

L: Das Ulmtal ist der perfekte Ort, um sich auf so etwas vorzubereiten. Du kannst zwar hier natürlich nicht 600, 800, 1000 Höhenmeter am Stück laufen, du musst halt zwischendrin immer wieder runter. Aber was ich hier trainiert habe, war mehrmals in einer Einheit bergauf und auch bergab zu laufen und auch nach dem zweiten Mal bergab noch stark genug zu sein - von der Kraft in den Beinen, aber eben auch vom Kopf her - "ich geh jetzt hier nochmal hoch", sei es von Edingen nach Greifenstein oder auch aus dem Ulmtal bis nach Rodenroth. Auch wenn ich wusste, die Bergab-Passagen wird es bei diesem Marathon gar nicht geben, ich habe anders davon profitiert.

Die Einheiten, in denen es mehr um Regeneration ging, habe ich im Flachen mehr von Ehringshausen aus gemacht. Aber die Abwechslung hat Spaß gemacht, die Läufe mit Anstiegen, Dianaburg, Greifenstein, Rodenroth, Richtung Knoten, Westerwald im Wechsel mit langsamen und regenerativen Läufen um die Talsperre oder nach Allendorf.
Auch in Bad Bergzabern, wo ich von der Arbeit hin und wieder hin musste, konnte ich gut Höhenmeter trainieren und sammeln. Dort ist es vergleichbar mit dem Ulmtal.

A: War der Trainingsplan denn auf eine Zielzeit ausgerechnet oder wenn nicht, wie bist du es angegangen, um dir deine Körner entsprechend einzuteilen, um das oberste Ziel "Ankommen" zu erreichen?

L: Naiv, vielleicht. (lacht). Der Trainingsplan für "Berg- und Ultramarathons" ist ausgelegt für alles zwischen 42 und 55 oder sogar 70km. Es sind Pflicht- und optionale Einheiten angeboten, ich habe von den optionalen aber auch etwa 2/3 gemacht. Ich hatte keine Zielzeit vor Augen und der Plan war auch nicht auf eine Zielzeit ausgelegt. Für die Einheiten waren nur Empfehlungen zur Dauer angegeben, z.B. 60-90min; davon bin ich meist die maximale Empfehlung gelaufen. Es gab aber keine Angaben, in welcher Geschwindigkeit die Einheiten zu laufen waren. Ich konnte mich also ohne Zeitdruck in den langsamen Einheiten komplett darauf konzentrieren, auch wirklich langsam zu laufen und den Puls unten zu halten. Und so wollte ich auch den Marathon angehen, nicht überpacen und wegen zu schnellem Beginn Körner lassen, die man später noch braucht.

Bei der Anmeldung musst du deine anvisierte Zielzeit trotzdem angeben. Ohne jegliche Erfahrung solch einer Strecke habe ich es überschlagen, und bin eben auf (lacht) "irgendwas zwischen 5 und 6 Stunden" gekommen und dachte mir: okay, so lange bist du noch nie in deinem Leben am Stück gelaufen, das könnte irgendwie hart werden... Aber es hat funktioniert und mit 5:25 war es dann auch genau in dem Zeitfenster. Und da ist noch die ein oder andere Pause drin, die für Essen & Trinken mal etwas länger gedauert hat; dazu hab ich es mir gegönnt, auch die Bergkulisse zu genießen und nicht nur so da durchzulaufen und  mich vor Erschöpfung am Ende an nichts mehr erinnern zu können. Aber ich habe heute noch die Bilder vor Augen! Und da drum ging es mir.

A:Wann ging es für Dich morgens los?

L: Start war kurz nach halb 09:00 Uhr, nach dem gestaffelten Start der "Elite" und der Ultras war es ziemlich genau 08:36 Uhr, als die normalen Marathonläufer gestartet sind. Meine Freundin und ich mussten mit der ersten Bahn von Zermatt Richtung Startort St. Niklaus gegen 06:50 Uhr los. Gegen 07:30 Uhr waren wir dann vor Ort.

A: Wann hattest du dein Frühstück? Auch etwa zwei Stunden vor dem Start?

L: In etwa, Frühstück gab es um 06:00 Uhr; wir hatten ein gutes Hotel, und wir konnten das Frühstück am Vortag bestellen und damit sehr individuell zusammengestellt aufs Zimmer bekommen. So bekam ich meine 3 Scheiben Vollkornbrot, Honig, Marmelade und hatte ohne Kaffee eine gute Grundlage nach der Doppelration Pasta am Vortag (lacht). Mittags die obligatorische Pasta-Party und abends gleich noch einmal im Restaurant.

A: Lass uns deinen Lauf nun mal anhand des Höhenprofils, was in der Live-Verfolgung und im Anschluss auf deinem Strava-Profil gut erkenntlich ist, stückeln. Der Start ist bei etwa 1.100 Höhenmetern, bis KM 25 geht es hier bis auf zwei steilere Passagen etwa bei KM 9 und 17 stetig, insgesamt gut 500 Meter, bergauf. Nimm uns doch mal auf dieses Stück zu Beginn mit. Spontan würde ich es mal als das "unbedeutendere Stück" bezeichnen?

L: Das würde ich so unterschreiben (lacht). Das ist praktisch der erste Halbmarathon und den musst du dann mehr oder weniger mit links wegmachen, weil es ansonsten eben echt schwierig wird, den Berg noch hochzukommen. Ich habe mich wirklich darüber gefreut, dass ich bei dem Abschnitt den Fluss entlang wirklich locker flockig laufen konnte, ohne dass es anstrengend war.
Zugegebenermaßen habe ich bei dem zweiten Anstieg fast übertrieben; da ich das Gefühl hatte, Kraft gespart zu haben, bin ich in diesem Waldstück den Trail beinahe als einziger noch gelaufen - viele sind da schon gegangen. Ich konnte mich aber selbst ermahnen, doch etwas langsamer zu machen.

A: Nach diesem zweiten Anstieg und dem Halbmarathon in Zermatt, liegst du etwa auf 1600m Höhe, zwischen KM 25 und 32 hast du 600 Höhenmeter Steigung. Deine Zeiten waren hier bei etwa 09:00 min/KM. War das die heftigste Passage, warst du hier an deinem Limit?

L: Am Limit würde ich nicht sagen, aber bis dahin war es natürlich die heftigste Passage. An einer Verpflegungsstation habe ich sogar das Personal gefragt, wie lange das noch so bergauf geht, weil ich mir Riegel und Gels einteilen wollte. Es war sehr anstrengend, aber ich konnte mein Tempo gut beibehalten und es war für mich gut und schön zu sehen, dass ich da einer von wenigen war, der dort kontinuierlich hochlaufen konnte. Ich habe hier nur Leute im Gehen überholt. Auf dem gesamten Stück haben mich vielleicht 3-4 Leute überholt, die noch schneller waren. Andererseits war es ein wirklich langes Stück, das zwar asphaltiert die ganze Zeit durch den Wald und damit auch durch den Schatten ging, wo aber auch keine Zuschauer waren; deshalb hatte ich hier das einzige Mal den Gedanken, mir zur Ablenkung Musik in die Ohren zu machen.
Aber die Belohnung ist, aus diesem Waldstück oben rauszukommen; da ist die Bergkulisse dann so beeindruckend und ich wusste, dass ich das Schlimmste dann hinter mir habe. Ich kannte diese Bahnstation dort oben schon und da ab da war es zum Genießen.

A: Das war "Sunnega" und kurz danach etwa 2.400m Höhe. Hast du dort denn etwas wegen Luft gespürt? Und dann sind es praktisch fast 6km zur Erholung, der einzige abfallende Abschnitt bis ca. 39,5km? Hast du das auch so realisiert und empfunden?

L: Luftveränderung? Tatsächlich nein, gar nicht!
Dieser Abschnitt war zum Laufenlassen, das hat sich auch im Tempo gezeigt. Ich wusste, das sind jetzt nur noch 10km und hier geht‘s jetzt bergab, das schaffst du, lass laufen. Ich musste aufpassen, nicht hinzufallen, weil der Untergrund hier nochmal anspruchsvoller wurde. Davon abgesehen gab es hier aber eine spektakuläre Kulisse, vorbei an zwei-drei Seen, wieder mehr Zuschauer und z.B. Alphörner an der Verpflegungsstation. Das hat mich auch dazu hingerissen, auch mal stehen zu bleiben, ein Bild und ein kurzes Video zu machen. Wohlwissend, es kommt noch ein Anstieg, nicht rennen, nicht komplett verausgaben. Aber alleine vom Kopf schaffst du den dann noch, der Wille ist unbändig in diesem Moment.

A: Das ist dann auch der letzte Abschnitt, die "Zielgerade", 2,5km etwa, aber auch 360 Höhenmeter. Zum Vergleich: beim Greifensteiner Berglauf sind es von Edingen bis in den Burghof ca. 250 Höhenmeter. Hier hast du diesen Abschnitt mit der siebtbesten Zeit deiner Altersklasse absolviert. Schmerzen sind offenbar keine durchgekommen?

L: Schmerzen nein, richtig. Anspannung und ein Gefühl von Vorsicht vor Muskelbeschwerden: Ja. Aber allein die Dimensionen werden hier noch einmal klar. An dem Punkt Riffelalp sind viele Menschen, da ist was los; du schaust da hoch und siehst schon das Ziel; du siehst aber auch, was auf diesen letzten 3 km noch an Höhenmetern zu machen ist, wie die Karawane sich serpentinenartig dort hochzieht. Und da läuft aber keiner mehr. Da gehen alle. Ich habe dort immer noch gemeint, ich müsste da hochlaufen; das habe ich nach etwa der Hälfte eingestellt. Ab einem bestimmten Stück konnte ich aber auch wieder weiterlaufen und habe es trotz zwei knackiger, kurzer Rampen dann durchgezogen.

A: Wie war es für dich im Ziel?

L: Überwältigend! Ich bin wirklich emotional zusammengebrochen. Ich hatte keinerlei Vorstellung davon, was mich da oben erwartet und wie sich das äußert, wenn ich da reinlaufe. Dass ich dann in einer noch so guten Verfassung ankomme und merke, jede einzelne Trainingseinheit die Monate vorher hat sich so gelohnt, das alles in dem einen Moment zusammentreffend war für mich viel zu viel. Hinter der Ziellinie gab es einen kleinen abgesperrten Bereich, wo die Läufer sich, wie ich auch, gedanklich und emotional erstmal sammeln konnten; danach kamen Übergabe der Medaille und Finisher-Shirt und erst danach konnte mich meine Freundin empfangen. Das war wirklich hochemotional, ich habe das nicht einfach so cool weggesteckt.

A: 5,5 Stunden sind eine lange Zeit. Zeit, wo einem wirklich viel durch den Kopf gehen kann, gerade wenn man eben "nur läuft". Kannst und willst du uns noch an etwas teilhaben lassen, an was du neben dem, was du schon gesagt hast, noch hast denken müssen?

L: Ja, es gab eine sehr gedankenverlorene Phase für mich. Wir hatten unseren kleinen Hund mit vor Ort. Ein Jahr zuvor waren wir mit unserem alten Hund noch dort im Urlaub. Auf diesem Teilstück vor Zermatt, wo es diesen Weg am Fluss entlang ging, der in den Trail mit dem Anstieg mündet und nach dem man dann in Zermatt einläuft, waren wir mit ihm damals spazieren. Auf dem Stück gab es keine anderen Gedanken als an unseren verstorbenen Hund. Diese 3km waren zur Verarbeitung gut, mit einem schönen Abschluss in Zermatt, wo es auf der Bahnhofstraße eng war, viele bunte Flaggen hingen und die Menschen einen angefeuert haben. Da gingen die leicht traurigen Erinnerungen in ein freudiges Vorausschauen über. Ansonsten habe ich in meinen Gedanken die Bilder wirken lassen, dieses tolle Zusammenspiel der leicht schneebedeckten Berge bei diesem tollen Wetter ohne Wolken am Himmel.

A: Kurz noch einmal einen anderen Betrachtungswinkel, den ich interessant finde: du warst nach dem Halbmarathon in Zermatt an Position 248 und hast dann kontinuierlich Plätze gutgemacht. Im Ziel warst du Nummer 153, hast praktisch also fast 100 Konkurrenten eingesammelt, und das ist nur die Betrachtung der männlichen Teilnehmer.

L: Das war natürlich nicht geplant (lacht), aber lag eben auch an den schon angesprochenen vielen Gehern, über die ich mich gewundert habe. Ich hatte nicht erwartet, dass die Anzahl durch alle Altersklassen, sowohl männlich wie weiblich so hoch wäre und ich zu denen gehören würde, die fast die ganze Distanz durchlaufen konnten. Aber dadurch konnte ich so viele Teilnehmer einkassieren, ja.

A: Jetzt ist ein knapper Monat vorbei. Wie beurteilst du jetzt ganz nüchtern deine eigene Leistung?

L: Ich bin positiv überrascht, weil es so gut gelaufen ist. Ich bin froh und auch daran gewachsen, würde ich sagen. Ich habe das dermaßen gut verkraftet, hatte keinen Muskelkater, aber auch so gut es geht versucht zu regenerieren, was offensichtlich sehr gut geklappt hat.

A: Das war mit Sicherheit nicht der letzte Marathon für dich? Beziehungsweise: was ist dein nächstes Zeil, deine nächste Aufgabe?

L: Leider hat mich meine Coronainfektion kurz nach diesem Marathon ja daran gehindert, was ich gerne gemacht hätte. Ich wäre gerne nach der Regeneration und auf diesem Höhepunkt der Fitness einfach mal im Flachen um die Talsperre schnelle 10KM gelaufen, mal die Handbremse der Höhenmeter gelöst und gesehen, wie dieses Training sich hier auswirkt, oder wie schnell denn auch ein Halbmarathon nun geht. Die Infektion wirkt aber noch gesundheitlich etwas nach, daher ist das erstmal nicht möglich. Ich habe aber auch nicht vor, jetzt jedes Jahr 3-4 Marathons zu laufen, ich möchte das dann immer zu etwas Besonderem machen und da laufen, wo es mir auch drumherum gefällt.
(Anm. d. R.: Mittlerweile hat Louis einen Startplatz beim Gornergrat-Zermatt Marathon gewonnen und sich dazu entschieden, am 01.07.2023 seinen ersten Ultramarathon zu laufen. Anfang April startet er mit der Vorbereitung.)

A: Louis, vielen Dank für dieses Interview und viel Erfolg für deine Zukunft, bleib gesund und verletzungsfrei!

Andreas Pfeiffer
(für die Medienabteilung TuSpo Holzhausen)




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