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Kategorie: TuSpo

Andreas Rumpf läuft Supermarathon über 74km


Interview mit Andreas Rumpf zur Teilnahme am Rennsteig Supermarathon am 18. Mai 2019


Andreas Rumpf - Supermarathon

Andreas Rumpf (r.) und Andreas Pfeiffer beim Interview

Andreas Rumpf (r.) und Andreas Pfeiffer beim Interview

Andreas Rumpf - Supermarathon

Andreas Rumpf - Supermarathon

Andreas Rumpf - Supermarathon

Andreas Rumpf - Supermarathon

Andreas Rumpf - Supermarathon

Andreas Rumpf - Supermarathon

Andreas mit seinem Enkel Mats vor dem Zieleinlauf

Andreas mit seinem Enkel Mats vor dem Zieleinlauf

Julia (l.) und Dominic (r.) sind stolz auf ihren Vater Andreas

Julia (l.) und Dominic (r.) sind stolz auf ihren Vater Andreas

Finisher-Shirt, Urkunde und Medaille des Super-Marathons

Finisher-Shirt, Urkunde und Medaille des Super-Marathons

Andreas Rumpf - Supermarathon

Andreas Rumpf - Supermarathon

Die Läufergemeinde im TuSpo Holzhausen erfuhr letztes Jahr mit dem ersten IRONMAN Triathlon von Patrick Droß in Frankfurt und dem Marathon-Sieg durch Dominic Rumpf in Marburg mit der Fabelzeit von unter 3 Stunden zwei sehr nennenswerte Höhepunkte.

In diesem Jahr reihte sich Andreas Rumpf bei einem weiteren Ereignis in diese bemerkenswerten Leistungen ein. Er absolvierte einen Supermarathon über 74 km. Andreas Pfeiffer interviewte Andreas Rumpf im Oktober 2019.



TuSpo: Andreas:
Der 18. Mai 2019 ist nun schon eine Zeit lang her. An diesem Tag hast du am Rennsteig den Supermarathon über 74 km absolviert. Schauen wir gemeinsam noch einmal zurück auf diesen Tag und die Vorbereitung hierfür.
Wann kam die Idee auf und wie lange war die Trainingszeit hierfür?

Andreas: Die Idee für den Supermarathon entstand nachdem wir am Rennsteig-Lauf vorher schon 2x im Team teilgenommen hatten. Wir sind beim ersten Mal in 2017 den Halbmarathon gelaufen und im letzten Jahr 2018 auch noch den Marathon. Und da war ich mit unseren jungen Läufern, also mit meinem Sohn Dominic, mit Päddy (Anm.: Patrick Droß), Kevin Briese und im ersten Jahr beim Halbmarathon auch Samu Becker am Start.

Gerade im letzten Jahr war die Begeisterung groß und wenn man schon länger läuft - so wie ich inzwischen - gab es da Überlegungen, auch mal etwas anderes zu machen. Die Inspiration dazu kam von Dominic, der im letzten Jahr gesagt hat: "Das ist doch richtig gut gelaufen. Wenn du einmal einen längeren Lauf machen möchtest und man dein Alter bedenkt, dann solltest du es jetzt tun! Der Supermarathon hier am Rennsteig bietet sich doch hierfür an. So ein Ding wird mit über 60 doch auch nicht mehr einfacher!"

Ich habe das zuerst noch ein wenig von mir weggehalten, aber der Gedanke daran ließ mich danach nicht mehr los.

Über das Jahr hinweg habe ich dann weiter gut trainiert und an verschiedenen Veranstaltungen teilgenommen. Der Körper hat das alles weiterhin gut weggesteckt, sodass ich im Januar damit angefangen habe, mich konsequenter auf das Ereignis vorzubereiten... Die reine Vorbereitungsphase war nach Plan 10 Wochen, das heißt: ein Monatspensum von so etwa um die 300 km; das ist also schon ein sehr intensives Training über Wochen.

Das war also eigentlich der Einstieg, zum einen die Motivation von meinem Sohn, der gesagt hat: "Mach es jetzt, denn wann will Du es sonst noch machen?". Und zum anderen natürlich auch die Gemeinschaft und Örtlichkeit selbst - wir sind zwar eine kleine Gruppe, aber dieser Guths-Muths-Lauf am Rennsteig ist etwas ganz besonderes, den ich jedem empfehlen kann und wenn, dann mit einem Halbmarathon zu starten.

Unsere Läufergruppe hier ist ja inzwischen auch gewachsen, da stimmt einerseits die Chemie, andererseits ist kein Zwang dahinter, sodass es sich jeder zeitlich einteilen kann wie er möchte.


TuSpo: Ein Marathon ist also ja schon fast "normal" für dich. Aber nach der Marathon-Distanz von 42,195km stehen bei diesem Supermarathon nochmal weitere fast 32km an. Das spezielle Training ging wie du schon gesagt hast 10 Wochen vor dem Lauf los. Wie sah das Training aus? Wie viele Langstrecken bist du und über welche Distanzen während der Vorbereitung gelaufen?

Andreas: Supermarathontraining ist schon ein anderes als das normale Marathontraining, weil du ja über eine wesentlich längere Distanz musst.

Das sah dann so aus, dass die Sonntagsläufe, die ich jetzt wieder so über 10, 15, 20 km mache, durchaus auch etliche Male über 40 km lagen. Längste Strecken in der Vorbereitung auch schon mal deutlich über 50 km. Das gehört und dient dann dazu, die Dauer rein zubekommen und den Puls niedrig zu halten; und bei den Zeiten dieser Trainingsläufe sieht man auch, dass es da nicht unbedingt auf Geschwindigkeit ankommt, sondern dann auf die erforderliche Ausdauer.


Außerdem bin ich in der Vorbereitung schon 2 Marathons gelaufen: im April in Friedberg "Rund um den Winterstein" und auch den "Landschaftsmarathon" im Weiltal, wo ich sogar meine persönlich schnellste Zeit gelaufen bin mit 3:35 Stunden. Und da ich bei diesem Marathon auch einige Höhenmeter zu absolvieren hatte, konnte ich da auch sehen, dass das Training also schon etwas gebracht hat.

Weiter waren noch Einzelwettkämpfe über 15km oder auch ein Halbmarathon dabei. Aber so sonderlich viele Läufe, die ordentlich über die Marathondistanz hinausgingen waren es eigentlich nicht.


TuSpo: Hattest du einen speziellen Trainingsplan für diese Distanz - wenn ja, wo gibt es sowas? Oder hast du das mit der Erfahrung selbst zusammengestellt?

Andreas: Der Plan wurde von einem Ultra-Läufer aufgestellt, der den Rennsteig-Supermarathon bereits mehrmals gelaufen ist. Den gibt es über den Campus (Anm.: www.laufcampus.com) und ist für Läufer, die diese Strecke in einer Zeit von um die 08:00 Stunden laufen möchten.

Da sind die Vorgaben für deine schnellen und langen  Trainings- und Intervallläufe enthalten, und auch wieviel Ruhetage du hast. Dies waren in den 10 Wochen im Schnitt nur zwei wöchentlich. Die langen Läufe waren praktisch immer sonntags. Samstags zuvor waren dann die Supersauerstoff- Läufe, die auf eine sehr niedrige Herzfrequenz abzielten.


TuSpo: Hast du neben dem vielen Training auch irgendwie die Ernährung verändert?

Andreas: Nein, eigentlich nicht. Es gibt sicherlich Dinge, an die man sich gewöhnen sollte. Es gibt z.B. Power-Gels und Salztabletten, die man auch beim Wettkampf schon mal zur Energieversorgung des Körpers dabei haben sollte, Aber das kommt immer darauf an, wie gut beim Wettkampf die Verpflegung an der Strecke ist.


TuSpo: Aber dass deine Frau Carmen speziell anders gekocht hat oder hätte kochen müssen, war nicht der Fall?

Andreas: (lacht) Nö, alles ganz normal wie immer.


TuSpo: Dann kommen wir mal eben zu unserer kleinen Recherche in der Lauf-App Strava, die alle deine Aktivitäten dokumentiert. Hier zeigt sich, dass du von November 2018 (142,30km, 2.061 Höhenmeter und knapp 14 Stunden Aktivität) bis April 2019 (405,20km, 5.522 Höhenmeter und 41:44 Stunden Aktivität) kontinuierlich und deutlich mehr Trainings absolviert. hast
Da stellt sich sicher die oder andere Frage:
1. Wie ist da die Reaktion der Familie?

Andreas: (lacht)... Ja gut, das muss schon eine gute Kombination sein. Ich habe zwar keine kleinen Kinder mehr, aber die Ehefrau muss da auch mitspielen. Heißt, wenn du sonntags morgens zu Hause um 6:45 Uhr startest und rufst mittags irgendwann vom Aartalsee an, dass es wohl später wird, dann kommt das nicht gerade so gut an. Auch wenn du das im Vorfeld ausmachst, dass du früh genug startest, um zum Mittagsessen um halb 1 daheim zu sein, was wir so vermehrt hatten, musste Carmen trotzdem oft Zugeständnisse machen. Was Sie aber auch gemacht hat und was ich ihr hoch anrechnen muss.


Es kommt aber auch darauf an, wie man sich seine Zeit einteilt. Man kann ja beispielsweise schon vor der Arbeit oder das ein oder andere Mal auch direkt nach der Arbeit trainieren. Dann habe ich zumeist im Lahntal meine Runde gemacht, so um eine oder anderthalb Stunden. Man muss es aber auch wollen und der Plan muss stringent eingehalten werden - sonst wird das nichts.


TuSpo: 2. Wie reagiert der Körper auf diese enorme Belastung? Hat der sich in irgendeiner Art gemeldet?

Andreas: Könnte ich jetzt so spontan nicht sagen, dass sich etwas wesentlich verändert hat. Wenn du über so viele Jahre läufst, haben sich der Körper und die Gelenke auf solche Belastungen eingestellt.

Ich kann mich daran erinnern, als ich in 2000 in Dortmund meinen ersten Marathon gelaufen bin - also just for fun-nicht viel trainiert, nicht groß was vorher gemacht... Da konnte ich nach dem 4stündigen Lauf die ersten Tage danach fast nicht gehen. Ich bin zu Hause auf dem Hintern die Treppe runter... so schlimm war das... ich hatte die Folgen der hohen Beanspruchung einfach unterschätzt.

Deswegen sollte man gezielt drauf hinarbeiten, langsam trainieren und dann auch seinen Spaß daran haben. Nach 2005 habe ich neun Jahre "Pause" gemacht und habe 2014 erst wieder angefangen. Aber dann anders trainiert, mir die Zeit dafür genommen und nur Wettkämpfe gemacht, bei denen ich fit war und mich gut vorbereitet hatte. Sonst wäre ich jetzt mit 60 ja auch nicht schneller als vor 15 Jahren.


TuSpo: 3. Macht das in dieser Menge des Trainings noch Spaß oder treibt da nur noch "das Ziel" an?

Andreas: Das ist immer noch Spaß! Das ist sogar für mich so ein Spaß, dass ich da auch Überlegungen habe, auch nächstes Jahr nochmal etwas Neues zu starten... Das muss jetzt nicht unbedingt dieser Supermarathon am Rennsteig sein, aber wenn es gesundheitlich so bleibt, wie es jetzt ist... Warum sollte ich das nicht machen!?


TuSpo: Wie ist dann die letzte Woche vor dem Lauf abgelaufen?

Andreas: Vom sportlichen, vom Training her war da nicht mehr viel, noch ein paar lockere Läufe, aber das fährt man praktisch schon 2 Wochen vorher langsam runter. Die Nervosität ist aber dann sicherlich da. Wenn du so ein Ding läufst, da ist viel Respekt vor dieser Strecke über 70km vorhanden..


TuSpo: Start des Laufs war um 06:00 Uhr morgens; wie viele Läufer waren am Start?

Andreas: Es waren rund 1.900 Läufer am Start. Insgesamt waren fast 18.000 Menschen am Rennsteig, die über die einzelnen Distanzen starteten. Ziel ist für alle Läufer Schmiedefeld. Der Supermarathon startet in Eisenach.

Wir sind am Tag zuvor angereist, und dies war auch schon hektisch, weil wir erst nach Eisenach mussten, um die Startunterlagen für mich zu holen, dann nach Oberhof, wo Päddy und Kevin die Unterlagen für den Halbmarathon geholt haben, von Oberhof ging es dann nochmal weiter nach Neuhaus, wo Dominic für den Marathon gestartet ist.
In der Nähe von Schmiedefeld haben wir in einem Hotel Quartier bezogen und da mussten wir natürlich unterschiedlich raus. Ich bin morgens um 3.00 Uhr mit dem Bus nach Eisenach gestartet.


TuSpo: Schauen wir uns einmal das Höhenprofil dieses Laufs an. Die Streckenlänge an sich ist ja schon eine Herausforderung; beim Start in Eisenach bist du auf 220m Höhe und läufst dann (immer auf ganze Kilometer betrachtet) bis auf 2 einzelne Kilometer 25 Kilometer lang bergauf - und das auch sehr anspruchsvoll: du hast nach 25 km eine Höhe von 910 m erreicht. Du wusstest, dass es so kommt, die Strecke ist ja keine Überraschungstüte.
Wie kann man sich dafür motivieren?

Andreas: Ich orientierte mich während dem Lauf tatsächlich einfach am Feld und an meinen Mitläufern. Da ich ja nicht kontaktscheu bin, habe ich auch auf der Hinfahrt mit Läufern gesprochen die etwa in meinem Leistungs- Bereich lagen. Und an diesen Läufern orientiere ich mich. Wenn du weißt, dass es am Anfang tatsächlich nur bergauf geht, musst du da schon Tempo rausnehmen. Stellenweise gehst du auch Steigungen, weil du fast so schnell bist, als wenn du sie läufst. Wenn du da am Anfang deine Körner verbrennst, ist nachher nichts mehr da, von dem du zehren kannst. Daher bin ich diesen Lauf sehr verhalten und mit einer ordentlichen Portion Respekt gestartet und nach Erreichen des Inselbergs nach 25 km konnte es dann "losgehen".


TuSpo: Die Informationen aus deiner App haben auch einen Kalorienverbrauch von etwa 4.000 kcal errechnet und nach Abschluss dieser Strecke ermittelt. Das ist in etwa das Doppelte, was ein Mensch am Tag normalerweise zu sich nehmen sollte bzw. verbrennt. Wie steht es bei diesem oder so einem Lauf um die Verpflegung?

Andreas: Bei diesem mit ältesten Landschaftslauf am Rennsteig, der in dieser Größe auch einzigartig ist, gibt es wirklich alle 5-7 km eine Verpflegungsstation. Ich selbst hatte Gels, Salztabletten und Trinkflaschen dabei, die ich aber praktisch kaum gebraucht habe. Am Rennsteig ist das Highlight der "Haferschleim"; das ist so ein lauwarmer, klebriger Schleim, der aber Wunder wirken soll und den ich auch zu mir genommen habe. Beim Marathon habe ich den nicht probiert, also bei diesem Lauf erstmals versucht. Auch Schmalzbrot bekommst du zum Beispiel, was es auf diesen Stadtläufen auch so nicht gibt.


TuSpo: Gels und Flasche hast du eben schon gesagt. Mit was warst du sonst selbst noch ausgestattet auf dem Lauf, also was hast du mit dir "herumgeschleppt"?

Andreas: Ich hatte außerdem nur noch mein Handy dabei. Ich wollte es dabei haben um zu wissen bzw. zu klären, wo nachher die Jungs sind. Mehr brauchst du da nicht. Wenn du längere Distanzen bei solch super organisierten Veranstaltungen läufst, reichen die Verpflegungsstellen vollkommen aus, es ist absolut perfekt von der Verpflegung her. Du musst praktisch nur wissen, was du verträgst. Manche mischen sich aber auch Ihre Getränke selbst.


TuSpo: Knapp 75 km sind wie gesagt eine lange Strecke - eine Strecke, auf der man vielleicht trotz 1.800 Startern sehr einsam sein kann, oder wo man auch von Zuschauern angefeuert wird? Es ist ja kein mehrfacher Rundkurs gewesen, sondern eine Strecke, auf der sich kein Abschnitt wiederholt hat.
Ist das eine spannende Unterhaltung für Zuschauer?

Andreas: Es ist auf der Strecke wirklich viel los, fast an allen Verpflegungsstellen, bei denen du auch durch einzelne Orte läufst wirst du ordentlich angefeuert, also langweilig wird es dir da bestimmt nicht...


TuSpo: Kürzlich beim Berlin-Marathon konnte man auch im TV sehen, dass praktisch in der ganzen Stadt die Strecke entlang Partys gefeiert oder Musik gemacht wurde. Also auch bei diesem Lauf am Rennsteig war das ähnlich der Fall?

Andreas: Es ist nicht so, dass da mehrere hunderte Menschen beim Supermarathon an der Strecke stehen, aber da gibt es kleinere Gruppen, die für Stimmung sorgen. Da spielt mal einer auf der Zitter oder eine Blaskapelle macht Musik. Der Thüringer Wald ist wirklich empfehlenswert und es macht riesig Freude und Spaß hier zu Laufen.


TuSpo: Gab es außer dem Zieleinlauf einen oder mehrere positiven oder negative Momente, die dir im Sinn geblieben sind?

Andreas: (überlegt).. also negative Sachen wüsste ich nicht. Du machst dir zwischendurch so deine Gedanken, ob du auch ankommst. Du kannst z.B. bei KM 54,7 "am Grenzadler" aussteigen, wofür es trotzdem eine Wertung gibt, aber das war für mich nie ein Thema. Und je näher es ans Ziel ging, umso besser lief es...


TuSpo: Rechnest du während dem Lauf? Zum Beispiel mit welcher Zeit du bei deinem Tempo ins Ziel kommst oder in Etappen, um dir die 74km möglichst einfach vorzuhalten (nur noch 4 x 10 km laufen, 1/3 geschafft... - sowas in der Richtung?

Andreas: Na gut, also wenn ich die ersten 25km rechne und weiß, es geht berghoch, muss ich schon sehen, dass ich von der Durchschnittsgeschwindigkeit her natürlich nicht mit einem 5er oder 6er Schnitt (Anm. der Red.: für 1 km) hinkomme.
Da rechnet man schon, wo es zum Ende hingeht. Du hast ja deine Uhr dabei, an der du dann sehen kannst, in welchen Bereich du dann reinfällst. Ich denke, bei diesem Supermarathon machen es keine paar Minuten aus.


TuSpo: Apropos Tempo/Zeit: Hattest du ein Zeitziel für den Lauf?

Andreas: Für mich war in erster Linie nur das Ziel: "das Ding durchziehen". Zeitlich wollte ich zwar schon gerne unter 9 Stunden bleiben, das wäre vollkommen in Ordnung, aber alles andere war nur abzuwarten. Unter 9 Stunden war es, von daher  mehr als zufriedenstellend für mich.


TuSpo: Wie war letztlich der Zieleinlauf? Dein Sohn Dominic, Patrick Droß und Kevin Briese hatten ja selbst auch den Marathon bzw. den Halbmarathon gelaufen und waren da. Wer noch? Schildere uns mal deine Gefühle auf den letzten Metern und nach der Ziellinie.

Andreas: Ich würde mal sagen, die letzten 5 km, wenn es dann auf die 70 km zugeht, dann merkst du: "jetzt hast du es eigentlich gepackt". Ich hatte es mir so gut eingeteilt, dass ich zum Schluss sagen kann, es war perfekt geplant. Ich hatte keine Beschwerden, im Gegenteil: je näher ich dem Ziel kam, umso mehr konnte ich "im flow" noch einmal Gas geben, das war also richtig Klasse.

Als ich in Richtung Ziel gelaufen bin, habe ich Dominic gesehen und auch Julia und Carsten waren überraschend mit den Kindern da. Als ich sie dort hab stehen sehen, gingen die Emotionen ziemlich mit mir durch, ich hab nochmal einen Adrenalinschub bekommen, da hat mich nichts mehr gehalten.
Ich hab dann noch angehalten, meinen Enkel Mats auf den Arm genommen und bin mit ihm durchs Ziel gelaufen. Das ist etwas, das ich nie vergessen werde. Es war ein Erlebnis, das man mit Worten gar nicht beschreiben kann. Es war wirklich perfekt und danach waren wir alle zusammen und hatten eine tolle Party im Anschluss.

Und da ich durch das wirklich gute Training nicht mehr Probleme hatte, als wenn ich einen Marathon gelaufen wäre, haben wir nachher noch auf den Bänken gestanden und gefeiert. Das war eine gelungene Nummer!


TuSpo: Deine Zielzeit von 8:49:45 Stunden und den Schnitt von 7:08min/km hast du eben schon als vollkommen zufriedenstellend bewertet. Was bedeutet dir dieser Lauf darüber hinaus?

Andreas: Also der dieser Lauf ist auch etwas, wobei man sich Maßstäbe setzt und Anforderungen an sich selbst stellt. Es geht mir nicht darum, anderen zu beweisen, dass ich einen Supermarathon laufe - für mich war dieser Lauf etwas für die Seele!


TuSpo: Du bist im Juli 60 geworden, bist unter den Läufern sicher kein Jungspund mehr. (Andreas: "Exakt!") Kannst du dir trotzdem weitere Ziele dieser Art vorstellen oder hast es schon im Auge?

Andreas: Mir geht es nicht um Steigerungen, sondern wenn ich mich soweit fit fühle und auch die Winterlaufserien wieder erfolgreich mitmache, werde ich mir sicher zum Jahresende hin einen Plan aufstellen, wie denn das Jahr 2020 aussehen soll. Da ist sicher wieder ein Marathon dabei. Und um bei realistischen Zielen zu bleiben: Wenn es gesundheitlich bei mir so bleibt und Training und Zeit das zulassen, werde ich auch im nächsten Jahr durchaus nochmal einen längeren Lauf absolvieren wollen.
Dafür war es einfach so sehr schön, ein toller Lauf, den ich wohl für immer eingeloggt habe.


TuSpo: Noch eine Frage zum Schluss. Meines Wissens hast du mit 18 erst angefangen Fußball zu spielen und spielst auch heute noch mit den Alten Herren mit. Auch mit dem Laufen hast du recht spät angefangen. Wie bist du zum Laufen gekommen, wie hat sich diese Lauffreude bis zu diesem Supermarathon entwickelt?

Andreas: Das stimmt, ich habe als Jugendlicher zunächst Blasmusik gemacht und bin erst recht spät dann durch meinen Freundeskreis zum Fußball gekommen, was anfangs - wenn man den Aussagen Glauben schenken darf - wohl grausam gewesen sein muss. Durch meinen Ehrgeiz habe ich es aber doch bis in die erste Mannschaft des TuSpo und SG Ulmtal geschafft. Und obwohl ich dann später auch schon länger bei den alten Herren war, habe ich auch bei der SG immer mal wieder zusätzlich bei der Reserve ausgeholfen.

Als dies etwas nachgelassen hatte, wurde ich auf den Lauftreff in Beilstein aufmerksam, bei dem ich einfach für mich mal mit gestartet bin. Ähnlich wie bei den Anfängen vom Fußball ging es beim Laufen los. Ich bin gestartet, bin einmal um die Talsperre, wieder heim und hab gedacht: "das machst du nicht noch mal". Trotzdem habe ich, wie beim Fußball, weitergemacht, bin besser geworden.

Wie bereits erwähnt habe ich mich spontan bei einem Sparkassen-Marathon im Jahr 2000 angemeldet. Zuerst hatte ich für einen Halbmarathon gemeldet, dann aber auf Marathon umgemeldet. Ein folgenschwerer Fehler!
Ich bin bis 2005 beim, durch den von Pfarrer Neumeister initiierten, Lauftreff in Beilstein dabei geblieben, der sich leider später auflöste. Erst in 2014 habe ich dann wieder weitergemacht, neu angefangen und bin seitdem drangeblieben, sodass ich jetzt diesen Supermarathon geschafft und einen Marathon sogar um die 3,5 Stunden laufe.


TuSpo: Dann bleibt dir jetzt noch das Schlusswort...

Andreas: Wünsche und Ziele sind ja im Gespräch bereits gefallen Ich möchte ganz einfach dabeibleiben und habe bei guter Gesundheit noch das ein oder andere vor. Wenn das gelingt, wäre es für mich perfekt. Und wenn nicht, dann muss ich es entsprechend langsamer angehen. Aber das ist ja bei vielen anderen Sportarten genauso. Nach dem Motto "Sport und Geselligkeit halten jung" ist es mir eine Freude weiterhin in unserer Läufergemeinde dabei zu sein.


TuSpo: Andreas, ganz herzlichen Dank für dieses interessante Interview und die Einblicke in diese sehr respektable Leistung!!!
 



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